Die Entwicklung

 

der Anleitung im Wandel der Zeit

 

 

von der Tradition des Mitlernens zum Anleiten in der Pflege

 

 

 

 

 

Name:

Jörn Werner

Matrikelnummer:

501095

Modul:

EZW M2

Fach:

Theoretische und praktische Lernprozesse in der Pflege

Dozent:

Frau Dipl. Pflegewiss.(FH) S.Rosen

 

 

 

Einleitung

 

Warum eine historische Betrachtung? Eine historische Betrachtung ist immer eine „Betrachtung von unten“. Aufgabe der historischen Pflegeforschung ist die Vergangenheit zu untersuchen, zu dokumentieren, zu analysieren und die gesammelten Informationen zu bewerten. Dadurch werden Entwicklungs- und Entstehungsprozesse aufgezeigt die Erkenntnisse für die heutige Zeit bringen. Deren Zusammenhänge werden verdeutlicht und erklärt und dadurch werden Lehren für die Gegenwart und Zukunft ermöglicht.1

Eine historische Betrachtung der Anleitung in der Pflege bedingt gleichzeitig eine historische Betrachtung der Pflege und auch der Medizin, da alle drei Aspekte, geschichtlich gesehen, eng miteinander verknüpft sind.

Die Pflege von erkrankten und hilfsbedürftigen Menschen ist so alt wie der Mensch selbst. Anderen zu helfen, die sich aufgrund von Krankheit oder Behinderung nicht selbst ausreichend helfen können, ist sowohl Teil der Entwicklung eines Menschen, angefangen von der Geburtshilfe über Krankheiten und Verletzungen im Laufe des Lebens bis zur Sterbebegleitung, als auch der Entwicklung des Menschseins selbst. Hinweise darauf lassen sich in allen Zeitepochen wieder finden.2

Die Betrachtung der Vergangenheit muss auch mit dem politischen Bewusstsein zusammengedacht, beides kann aber nicht gleich gesetzt werden.3 „Geschichte liefert Orientierungen in der Zeit und vermag keine Orientierung für unmittelbares Handeln zu geben. Politik dagegen liefert Orientierung für politisches Handeln, vermag aber keine Orientierung in der Zeit zu liefern.“4 Daher ist eine gleichzeitige Betrachtung des gesellschaftlichen Rahmens unumgänglich.

In der folgenden Arbeit werde ich versuchen die Entwicklung des Mitlernens durch die verschiedenen Zeitepochen bis hin zur heute rechtlich fundierten Anleitung in der Pflege anhand des gesellschaftlichen Wandels darzustellen Die archaische Gesellschaft in der Frühzeit, die ich global erläutern werde, immer fokussierter auf Deutschland werdend über die hochkultivierte Gesellschaft im frühem und späten Mittelalter bis hin zur modernen Gesellschaft5 in der heutigen Zeit, endend mit dem Ausblick auf die Möglichkeiten der Weiterentwicklung in der Zukunft.

 

1. Definitionen

 

Um die Entwicklung des Mitlernens bzw. Anleitung in der Pflege verstehen zu können müssen vorerst einige Begriffe näher erörtert werden.

 

1.1 Definition Pflege

 

Heute gibt es verschiedene Definitionen der Pflege, die aber letztendlich dieselbe Aussage haben.

Das Wort Pflege bezeichnet

  • die Sorge um und die Unterstützung von pflegebedürftigen Menschen in medizinisch-sozialen Dingen:

    • Gesundheits- und Krankenpflege, aber auch die häusliche Krankenpflege

    • Säuglingspflege

    • Kinderkrankenpflege

    • Altenpflege

    • Heilerziehungspflege

    • Häusliche Pflege

    • Psychiatrische Pflege

  • das Wissenschaftsgebiet Pflegewissenschaft (…)“6

Definiert wird Pflege als „menschliche Fähigkeit und Aktivitäten, Bedingungen für das Überleben oder Wohlbefinden von Menschen zu sichern oder herzustellen; Pflegehandlungen finden auf sich selbst gerichtet oder von Mensch zu Mensch statt. Je nach Zielgruppe und kulturell-geschichtlichem Zusammenhang haben sich unterschiedliche berufliche Richtungen der Pflege herausgebildet (…). Der Begriff Pflege ist eng verbunden mit der Auffassung von Sorge (…) und tätiger Hilfe bei den Aktivitäten des täglichen Lebens.“7

Pflege umfasst die eigenverantwortliche Versorgung und Betreuung, allein oder in Kooperation mit anderen Berufsangehörigen, von Menschen aller Altersgruppen, von Familien oder Lebensgemeinschaften, sowie von Gruppen und sozialen Gemeinschaften, ob krank oder gesund, in allen Lebenssituationen (Settings). Pflege schließt die Förderung der Gesundheit, Verhütung von Krankheiten und die Versorgung und Betreuung kranker, behinderter und sterbender Menschen ein. Weitere Schlüsselaufgaben der Pflege sind Wahrnehmung der Interessen und Bedürfnisse (Advocacy), Förderung einer sicheren Umgebung, Forschung, Mitwirkung in der Gestaltung der Gesundheitspolitik sowie im Management des Gesundheitswesens und in der Bildung.“8

Die WHO erweitert diese Definition mit der Betonung auf den gesellschaftlichen Auftrag, „dem einzelnen Menschen, der Familie und ganzen Gruppen dabei zu helfen, ihr physisches, psychisches und soziales Potential zu bestimmen und zu verwirklichen, und zwar in dem für die Arbeit anspruchsvollen Kontext ihrer Lebens- und Arbeitsumwelt. Deshalb müssen die Pflegenden Funktionen aufbauen und erfüllen, welche die Gesundheit fördern, erhalten und Krankheit verhindern. Zur Pflege gehört auch die Planung und Betreuung bei Krankheit und während der Rehabilitation, und sie umfasst zudem die physischen, psychischen und sozialen Aspekte des Lebens in ihrer Auswirkung auf Gesundheit, Krankheit, Behinderung und Sterben. Pflegende gewährleisten, dass der einzelne und die Familie, seine Freunde, die soziale Bezugsgruppe und die Gemeinschaft gegebenenfalls in alle Aspekte der Gesundheitsversorgung einbezogen werden, und unterstützen damit Selbstvertrauen und Selbstbestimmung. Pflegende arbeiten auch partnerschaftlich mit Angehörigen anderer, an der Erbringung gesundheitlicher und ähnlicher Dienstleistungen beteiligten Gruppen zusammen.“9

Wie dargelegt sind der Beruf und die Tätigkeit der Pflege weit aus komplexer als von vielen angenommen. Dieses komplexe Wissen muss an den „Nachwuchs“ vermittelt werden, was sich in Deutschland heute in zwei Bereiche gliedert: Die Theorie und die Praxis. In Deutschland findet der theoretische Unterricht in der Regel an Kranken-, Alten-, Hebammen- oder Berufsfachschulen statt, während die praktische Ausbildung in Teilen in Krankenhäusern, Pflegeheimen, Psychiatrien und ambulanten Pflegediensten absolviert wird. Dort hat nach der jeweiligen Ausbildungsordnung eine Praxisanleitung stattzufinden. Diese Ausbildungsstruktur ist der in der dualen Ausbildung von Handwerkern recht ähnlich, stellt jedoch einen eigenen Zweig innerhalb der Berufsbildung dar.10

Die berufliche Grundausbildung ist in ihrer Funktion der Lehre oder dem Studium in anderen Berufen vergleichbar, Fort- und Weiterbildung bauen darauf auf. Umgangssprachlich werden diese Begriffe häufig als gleichbedeutend verwendet.

Die vorliegende Arbeit bezieht sich auf einen besonderen Teil der Praxis, nämlich der Anleitung.

 

1.2 Definition Anleitung

Gibt man bei Google11, der heute bekanntesten Internetsuchmaschine, die Begriffe „Definition Anleitung“ ein erhält man ungefähr 1.360.000 Quellen im Internet12, beginnend mit einem Link zum Online-Wörterbuch Wikipedia, wo man zum Begriff „Gebrauchsanleitung“ weitergeleitet wird: „Die Gebrauchsanleitung - auch Gebrauchsanweisung, Bedienungsanweisung oder Betriebsanleitung - ist das Mittel zum Übertragen von Information an die Benutzer eines Produktes, wie sie das korrekt und sicher verwenden. (…) Als Kommunikationsmittel können Kombinationen aus Wörtern, Zeichen, Symbolen, Plänen, Illustrationen, hörbaren oder sichtbaren Informationen dienen.“ Im übertragenen Sinne gestaltet sich die Anleitung in der Pflege ähnlich.

Die Anleitung ist das Vermitteln von Fertigkeiten und Kenntnissen. Als pädagogische Tätigkeit setzt sie Kenntnisse voraus, wie eigene Fähigkeiten sinnvoll an andere weiter vermittelt werden, damit diese das vermittelte Wissen verstehen und umsetzen können. Explizit auf die Pflege bezogen ist die Anleitung die gezielte Einführung von Angehörigen, Patienten, Pflegeschülern oder neuen Mitarbeitern in pflegerische Handlungen, Pflegetechniken oder Arbeitssituationen.13 Ich erweitere diese Definition damit, dass die vermittelten Fähigkeiten und Kenntnisse auf den aktuellsten Stand, möglichst wissenschaftlich fundiert und in Einklang mit dem in der Schule vermitteltem Lehrstoff, also mit dem Curriculum der Schule abgestimmt sein müssen.

Aber wie ist es zu dem heute bestehendem System, insbesondere der Anleitung in der Pflege, gekommen?

 

2. Die historische Entwicklung

Wie bereits in der Einleitung erwähnt ist die Medizin, die Pflege und somit das Weitervermitteln von relevantem Wissen und praktischen Tätigkeiten in der Pflege eng miteinander verbunden und haben denselben Ursprung. Im nun folgendem Teil werde ich versuchen deren Entwicklung mit besonderem Fokus auf die Anleitung im verlauf der verschiedenen Zeitepochen und deren Gesellschaftsformen darzustellen.

 

3. Die archaische Gesellschaft

Aus der frühen Steinzeit, als die Menschen noch in der Natur lebten und in Höhlen schliefen war menschliches Verhalten, wie bei anderen Säugetieren auch, instinktgesteuert, genauso auch die Eigenpflege. Der Körper gab durch Krankheit das Signal dass er etwas braucht, der Mensch handelte instinktiv um dieses (krankheitsbedingte) Defizit auszugleichen. Erst später, vor ca. 3 Millionen Jahren, begann der Mensch seine spezifisch menschliche Intelligenz auszubilden.14

In der Jungsteinzeit begannen sich erste Gesellschaften zu bilden. Untergliedert in kleinen Gruppen basierten sie auf Verwandtschaft oder Wohngemeinschaften auf einer geringen Entwicklungsstufe. Meistens waren es Familienclans die wenig Kontakt zu anderen Clans hatten. Eine politische Herrschaft gab es gar nicht oder nur ansatzweise. Notlagen und die wenig vorhandenen Grundbedürfnisse wie Hunger und Durst sowie der Alltag und dessen Aufgaben, die meistens durch Alter oder Geschlecht bedingt waren, waren allen bekannt und bestimmten den Alltag. Die zu erfüllenden Aufgaben waren für jeden verpflichtend und dienten dem Überleben, das eigene und das der Gruppe. Fähigkeiten und Handlungen waren instinktiv gegeben, wurden abgeschaut oder durch Beobachtung und Erfahrung erlernt, von Generation zu Generation weiter gegeben und durch „trial and error“15 verbessert und ergänzt. Durch die Überschaubarkeit der Gruppen kannte jeder jeden und jeder kannte auch die Aufgaben des anderen sowie die Bedürfnisse und Handlungsmöglichkeiten, was auch das Auslösen von gegenseitigen Hilfshandlungen erleichterte. Durch diese wechselseitige Hilfe ergaben sich „Dankesverpflichtungen“. Jeder war sich seiner Pflichten bewusst ohne diese institutionalisieren zu müssen da sie selbstverständlich waren. Hilfs- und Abgabeverpflichtungen ergaben sich aus Überschüssen. Ergab sich z.B. durch eine sehr erfolgreiche Jagd ein Fleischüberschuss wurde dieser dann an die anderen Clanmitglieder verteilt. Daraus ergaben sich „Dankesverpflichtungen“ die sowohl materiell als auch durch Funktionen und Handlungen, wie Hilfe beim Kampf, erfüllt wurden. Das Leben in der archaischen Gesellschaft war also durch wechselseitige Hilfe grundlegend geprägt.16

 

3.1 Medizin und Pflege in der archaischen Gesellschaft

Es gibt aus dieser Zeit keine deutlich aussagekräftigen Zeugnisse, aber anhand von Funden ist es sehr wahrscheinlich dass empirisches Wissen wie oben erläutert evaluiert, modifiziert und weitergegeben wurde. Damit wurden die Empirie und die Beobachtung zur ersten großen „Wurzel“ der Medizin und auch der Anleitung –in Form des Mitlernens- zu medizinisch-pflegerischen Handlungen. Diese wurden zumeist von Frauen praktiziert da diese die Nahrung, und somit auch Kräuter zubereiteten, deren Wirkung und Genießbarkeit sie zwangsläufig ausprobierten mussten. Sie hatten auch die „natürliche Veranlagung“, wie die Fähigkeit Kinder zu gebären und diese aus instinktiver Fürsorge zu pflegen. Es ist genauso wahrscheinlich dass sich die Frau daher auch um die Alten und Kranken kümmerte.

Höhlenmalereien und Funde wie Alltagsgegenstände, Waffen, Werkzeuge und rituelle Gegenstände geben Aufschluss darüber dass der Mensch damals weniger in einer Welt des Denkens, mehr in einer Welt des Fühlens lebte und magisch-rituale Handlungen sowie die Verehrung von Natur und Göttern eine große Rolle spielten. Da sich die meisten Krankheiten im Inneren des Körpers abspielen, die Erfahrungswelt der Menschen aber nur auf Sinneswahrnehmungen basierte, wurden Krankheiten externen Mächten wie Dämonen und Geistern zugeschrieben. Es bildete sich die erste Form der Ärzte: Die Schamanen und Medizinmänner. Sie entwickelten Zeremonien und Rituale die diese Geister und Dämonen, und somit die Krankheiten vertreiben und gute Mächte besänftigen sollten um somit die Menschen zu schützen, nutzten aber auch schon die Heilkräfte von verschiedenen Kräutern. Hier sei angemerkt dass diese primitiven Menschen mit einfachsten Werkzeugen bereits zu faszinierenden operativen Handlungen, wie das Trepanieren der Schädeldecke befähigt waren, was weltweite Funde aus dieser Zeit belegen. Sie waren neben den Dorfältesten oder denen, die sich durch besondere Taten und Eigenschaften hervorhoben, die einzigen die ein höheres Ansehen und Sozialprestige genossen. Da es allerdings, wie bereits geschildert, keine direkten Zeitzeugnisse gibt kann dies überwiegend nur gemutmaßt werden, aber dass es so war ist sehr wahrscheinlich. Ähnlichkeiten von gefundenen Kultgegenständen aus dieser Zeit und Schamanen auf Höhlenmalereien, und heute traditionell praktizierenden Schamanen in Sibirien, Afrika und Mexiko und deren Kultgegenstände sind teilweise sehr deutlich ersichtlich. Da diese heute noch althergebracht ihr Wissen an ihre Schüler weitergeben indem sie die Rituale zeigen, theoretisches Wissen erzählen und um das Wissen zu vertiefen sie die Rituale unter ihrer Aufsicht durchführen lassen ist anzunehmen, dass diese Lehr- und Lernmethode auch damals schon so durchgeführt wurde.17


 

4. Die hochkultivierte Gesellschaft

Im Laufe der Zeit vereinigten sich verschiedene Familienclans zu größeren Gesellschaften, gründeten die ersten Städte, die bisweilen eine beträchtliche Größe und Maß an Wirtschaftlichkeit erlangen konnten, und bildeten mitunter sogar Großreiche. Während in der archaischen Kultur nur wenige Mitglieder der Gesellschaften durch bestimmte Taten, Fähigkeiten oder Eigenschaften ein höheres Sozialprestige erlangen konnten, bildeten sich in den hochkultivierten Gesellschaften bereits verschiedene Gesellschaftsschichten. Die Herrschaft bestimmter Stände wurde vererbt und löste das erworbene Sozialprestige ab. Eine deutliche Rollendifferenzierung, insbesondere in Politik und im religiösen Bereich, fand statt. Sie wurden in Ämter und Verfahren gegliedert und es wurden Symbole verwenden um die Zugehörigkeit zu dieser Gesellschaft zu zeigen. Die Arbeitsteilung vollzog einen starken Wandel in die verschiedene Bereiche Landwirtschaft, Handel und Gewerbe und diente nicht mehr dem reinem Überleben sondern des Erwerbs von Geld und Besitztümer. Verträge und Dienstleistungen lösten die gegenseitige Hilfe und die Dankverpflichtungen ab, die nun als Tugend hochstilisiert und moralisiert wurden. Die Entpflichtung des gegenseitigen Helfens soll durch den karitativen Gedanken ersetzt werden. Die Reichen sollen den Armen in Form von Almosen helfen, aber sie müssen nicht. Hilfshandlungen begründen nicht mehr das gehobene Prestige, sie drückt nur noch einen gehobenen Status aus. Das Helfen selbst, aber auch alle anderen Leistungen und Vorsorgen, werden in Form von Dienstleistungen von sich jetzt gebildeten Professionen wie Priester, Arzt und Richter erbracht und als Gegenleistung honoriert.

 

4.1. Die Vorchristliche Zeitepoche

Über die Medizin und Pflege in der vorchristliche Zeit im heutigen Deutschland ist wenig bekannt. Auch hier fehlen eindeutige Zeitzeugnisse. Diese liegen nur aus zur damaligen Zeit höher entwickelten Hochkulturen vor. Kennzeichnend für sie waren dass dort erste Schriften entwickelt und künstlerische Objekte geschaffen wurden und die Architektur und auch die Medizin bereits sehr fortgeschritten waren. Die meisten von Ihnen befanden sich an großen Flüssen und wurden daher so Flusskulturen genannt, und waren in Mesopotamien am Euphrat und Tigris, in Ägypten am Nil, in Indien am Indus und in China am Hoangho angesiedelt. Weitere Hochkulturen der vorchristlichen Zeit waren die minoische Kultur auf der Insel Kreta, die mykenische Kultur auf dem griechischem Festland, die indianische Kultur in Mittelamerika sowie die altperuanische Kultur der Inkas in Südamerika. Von ihnen allen liegen reichlich historische Überreste und Zeugnisse vor die uns erlauben sich ein Bild von der damaligen Zeit zu machen und Kenntnisse über die Strukturen deren Heilkunst zu gewinnen.18

Den Themenbereich dieser Kulturen werde ich nur kurz umreißen da auch hier auf die Pflege und demnach auf die Anleitung in der Pflege eindeutig ausgerichtete Texte und andere Informationsquellen fehlen.

 

4.1.1 Medizin und Pflege in Mesopotamien

In Mesopotamien, deren Hochkultur etwa 3000 v. Chr. Begann, war die Medizin in zwei Bereiche gegliedert, dem Übernatürlichen und dem Praktischen. Der Glaube an überirdische Ursachen für Krankheiten war noch sehr ausgeprägt. So glaubte man dass Götter zur Strafe krankheitsbringende Dämonen und Geister schickten und dadurch Krankheiten verursachen, diese aber auch Krankheiten heilen können. Aber auch der Glaube an Verhexung war stark verbreitet, obwohl das Wissen um Ansteckung bestimmter Krankheiten bekannt war.19 So verwundert es nicht dass es spezielle Beschwörer gab die magische Riten zur Austreibung krankheitsbringender Geister vollzogen. Es gab aber auch Seher die durch Träume und weiteren Handlungen wie das Deuten von Öl auf Wasser und das Lesen aus Lammlebern vorgaben den Krankheitsverlauf vorhersagen zu können.20 Die dritte Art der Heiler war der Arzt im eigentlichen Sinne. Er kannte neben Beschwörungen auch verschiedene Heilmittel wie Kräuter und verfügte bereits über das Wissen um verschiedene Operationsmethoden.21

Die eigentliche Pflege führten wahrscheinlich Familienangehörige durch die zusammen mit den Heilern und auf deren Anweisungen die Menschen bei Krankheit pflegten.22 Praktisches Lernen basierte also auf Beobachtung, Nachahmung und Anweisung.

 

4.1.2. Medizin und Pflege in Ägypten

Der Ursprung der ägyptischen Hochkultur und deren Medizin lassen sich auf etwa 3000 Jahre v. Chr. datieren. Auch in Ägypten bestand das Heilen sowohl aus praktischer ärztlicher Tätigkeit als auch aus dem Glauben an das Übernatürliche. Die Basis der Diagnosestellung war die Beobachtung des Erkrankten. Sie geschah nach einem vierstufiger Vorgehensweise: 1) Die vorläufige Diagnose, 2) Instruktionen für die Untersuchung des Erkrankten und die diagnostischen Zeichen nach denen zu suchen ist, 3) die eigentliche Diagnose und Prognose und 4) Angaben zur Behandlung.23 Aber auch die Traumdeutung wurde, besonders bei psychischen Leiden, zur Diagnostik verwendet.24

Direkte Quellen bezüglich der Pflege erkrankter Menschen gibt es auch hier nicht, aber da bekannt ist dass Ärzte Hausbesuche machten ist davon auszugehen, dass auch hier Familienangehörige die eigentliche Pflege auf Anweisung der Ärzte durchführten. Aber es ist bewiesen dass die ägyptischen Ärzte Gehilfen hatten die auf ihre Anweisung in bestimmten Bereichen tätig waren, wie Masseure, „Verbinder“ und Sanitätspersonal. Es gab aber auch Gehilfen die bestimmte rein pflegerische Interventionen durchführten wie „Haarbehandler“, „Pfleger der Nägel an Händen und Zehen“ und weitere Kosmetiker sowie die Toilettenbeamten des Königs.25


4.1.3. Medizin und Pflege in Indien

Die Geschichte der Medizin und Pflege in Indien lässt sich in zwei Perioden gliedern. Die Veda-Periode (1500 – 800 v. Chr.) war sehr stark magisch-religiös geprägt. Die Sünde wurde als Ursache von Krankheiten gesehen und so nahm das Bekennen der Sünden einen hohen Stellenwert bei der Heilung ein. Aber auch die Körperliche Reinigung und mineralische, tierische sowie pflanzliche Heilmittel wurden bereits verwendet.26

Die Krankheitslehre der bramahnische Periode (800 v. Chr. – 1000 n. Chr.) war geprägt vom Glauben an die Elemente Feuer, Wasser Erde, Holz und Metall, die nach brahmanischem Glaube auch im Körper vorhanden waren, sowie die körperlichen Elemente Wind (Luft), Schleim und Galle. Ein Ungleichgewicht dieser Elemente wurde als Ursache der Krankheiten gesehen. Medizinische und pflegerische Selbstinterventionen und Prophylaxen waren sogar in Gesetzen festgelegt, die Empfehlungen für Ernährung und Hygiene gaben.27

Die Lehren Buddhas nahmen ab dem 6. Jahrhundert vor Christus großen Einfluss auf Medizin und Pflege in Indien. Interessant hier ist dass es schriftliche Quellen gibt die belegen dass die Pflege fester Bestandteil der Heilung erkrankter Menschen war, die in 4 Bereiche gegliedert wurde: 1) Der Arzt, der von „würdigen“ Lehrern ausgebildet wurde, 2) das Heilmittel, 3) der Pflegende, der „voller Hingebung an den Kranken, unterrichtet und geschickt in seiner Arbeit“28 sowie „klug und rein an Körper und Geist“29 sein soll, und 4) der Kranke, der möglichst mitteilsam und ergeben dem Arzt gegenüber sein soll. Über die Ausbildung und Anleitung der Pflegepersonen ist allerdings wenig bekannt.30

 

4.1.4. Medizin und Pflege in China

Grundlegend für Chinas Medizin, deren Hochkultur etwa 1500 v. Chr. begann, waren der Glaube an die Ahnenmedizin31 und Dämonenmedizin32. In China war die empirisch begründete Heilkunde, Religion und Philosophie eng miteinander verbunden. Kung-tse („Konfuzius“, 550 v. Chr.) lehrte zum Beispiel dass Kinder ihre Eltern im Falle einer Erkrankung pflegen sollen. Laotse (300 v. Chr.) begründete den Daoismus, das Leben nach Naturgesetzen, und regte an einen höheren Lebenswandel zu führen. Sie glaubten dass ein Verstoß gegen das Dao Krieg, Katastrophen und auch Krankheiten verursacht.33

Wie auch in Indien spielten Elemente (Holz, Feuer, Erde, Metall, Wasser) aber auch das Gleichgewicht (Yin und Yang) und die Lebensenergie (Qi) eine große Rolle in der Medizin. Ihre therapeutischen Anwendungen, wie Akupunktur, Akupressur, Atemtherapie, Massagen, Ernährung und Heilgymnastik, werden heute noch angewendet, mittlerweile auch in Europa, und werden unter dem Begriff TCM (traditionelle chinesische Medizin) zusammengefasst.

Im 7. Jahrhundert v. Chr. gab es bereits mehrere Präfekturärzteschulen. Auch Krankenhäuser sollen seit Beginn des 6. Jahrhunderts v. Chr. in China existieren, allerdings ist über diese, und somit über die Pflege, die Ausbildung und Anleitung von Pflegepersonen kaum etwas bekannt.

 

4.1.5. Medizin und Pflege in Griechenland

Das politische System der minoischen und mykenischen Kultur war bereits 2000 v. Chr. sehr hoch entwickelt. Sie unterhielten Beziehungen zum Orient und auch Ägypten. Deren Einfluss auf die griechische Medizin kann allerdings nicht belegt werden. Erste schriftliche Belege, die auch über die griechische Heilkunst Aufschluss geben, stammen aus der Zeit 800 v. Chr. und sind in Form von Gedichten34 eher Berichte über geführte Kriege, schildern aber auch die damalige Vorstellung über die Anatomie des Menschen und ärztliche Interventionen bei Verletzungen. Aber auch andere waren bei der Erstversorgung auf dem Schlachtfeld tätig, wie Frauen, deren Wissen über Kräuter, Magie und die Pflege von Verwundeten beschrieben wird, und Männer ohne Fachkenntnisse, die man durchaus als Pflegekräfte oder Sanitäter bezeichnen könnte. Die Ärzte schritten allerdings nur bei Verletzungen ein, denn Krankheiten führte man auf den Zorn der Götter zurück. Im 5. Jahrhundert v. Chr. begann der Asklepios-Kult: Eine Anlage bestehend aus einem Tempel zu Ehren des Gottes Asklepios und seiner Tochter Hygieia, einer Halle, Quellen und Bäder. In den Hallen, so wird berichtet, haben sich erkrankte Menschen schlafen gelegt und wurden im Traum geheilt, so dass sie morgens geheilt aufwachten. Diese Anlagen, die so genannten Asklepieia, waren bis zur Spätantike im gesamten Mittelmeerraum zu finden. Der Schlangenstab des Asklepios gilt heute noch als Symbol der Medizin.35

Zeitlich parallel dazu entwickelte sich die griechische Medizin. Sie förderte zwar nicht den Asklepios-Kult, tolerierte ihn aber in Form einer friedlichen Koexistenz.36 Ärzteschulen entstanden aus denen zum Beispiel Hippokrates hervorging. Die griechische Medizin basierte, ähnlich anderen Hochkulturen, auf vier Elementen (Erde, Feuer, Luft, Wasser), denen Säfte (schwarze Galle, gelbe Galle, Blut und Schleim) sowie Charaktereigenschaften (Melancholie, Cholerik, Sanguinik und Phlegmatie) zugeordnet wurden.37 Hauptaufgabe des Arztes war die Krankenbeobachtung die mit allen 5 Sinnen nach bestimmten Kriterien durchgeführt wurde. Aber auch Philosophie und Ethik spielten in der Ausbildung und Ausübung eine große Rolle.38 Die prophylaktische Maßnahmen wurden auch von Ärzten festgelegt, zum Beispiel in der Schrift „Über die gesunde Lebensweise“ vom Arzt Diokles (Mitte 4. Jahrhundert v. Chr.), die den gesamten Tagesablauf regelte und die Grundlage der Diätetik darstellte, die später vom Arzt Galen aufgegriffen und weiterentwickelt wurde. In der Diätetik geht es um die „res naturalis“, die von der Natur gegebene „Ausstattung“ des Menschen sowie der „res non naturalis“, Zustände die nicht natürlich sind und von der Diätetik beeinflusst werden können. Sie stimmen fast wörtlich mit den heute in der Pflege verwendeten ATLs (Aktivitäten des täglichen Lebens) überein, die im Rahmen des Pflegeprozesses verwendet werden.39

Neben den Ärzten und magisch-religiösen Heilmethoden gab es noch Heiler, kräuterkundige Frauen und Hebammen, die allerdings nicht als ärztliches Hilfspersonal galten sondern eigenständige Professionen darstellten.40

Es war üblich dass Ärzte mit ihren Schülern durchs Land reisten. Die Schüler übernahmen zusammen mit den Angehörigen des Erkrankten unter Aufsicht und Anleitung des Arztes die pflegerischen Aufgaben. Die wichtigste Aufgabe des Schülers stellte, wenn der Arzt nicht anwesend war, die Krankenbeobachtung dar. Weiter musste er darauf achten dass der Erkrankte die Interventionen nicht gegen seinen Willen durchführte bzw. über sich ergehen ließ.41

Auch hier wird sichtbar dass Heilung in Griechenland in der vorchristlichen Zeit sowohl mythisch als auch medizinisch angegangen wurde. Die medizinisch-pflegerischen Interventionen erfolgten unter Anleitung des Arztes. Die primäre Pflegeperson war der Schüler des Arztes, der den Anweisungen des Arztes folgte. Die sekundären Pflegepersonen waren die angeleiteten Angehörigen. Einen Berufszweig der Pflegekräfte gab es nicht. Die Anleitung war also eher weiterhin eine Form des Mitlernens. Pflegerische Handlungen waren nur durch Anweisungen des Arztes erlernbar und waren –in Form der angewandten Diätetik- ein fester Bestandteil der Medizin und Teil der therapeutischen Heilung.

 

4.2. Die nachchristliche Zeitepoche und die Christianisierung

Die griechische Medizin hatte großen Einfluss auf die römische Medizin. Ein Asklepios gab es auch in Rom, aber auch die Diätetik hielt in Rom Einzug. In einer römischen Schrift wird gefordert dass so genannte Valetudinarien in der Landwirtschaft notwendig seien. Dieses waren krankenhausähnliche Einrichtungen zur Pflege und Genesung erkrankter Sklaven. Der Gutsherr war verantwortlich für Aufnahme und seine Frau für die Sauberkeit und Lüftung der Räume sowie der speziellen Pflege der Erkrankten mit Hilfe von besonders ausgebildeten Sklaven, die ihr zur Verfügung standen. Diese wurden Vorbild für die später errichteten militärischen Valetudinarien für die Pflege und Genesung erkrankter und verletzter Soldaten, die bis zu 200 Erkrankte aufnehmen konnten. Allerdings waren es keine Krankenhäuser im heutigem Sinne sondern Institutionen zur Wiederherstellung der Arbeitskraft von Sklaven und Soldaten. Invalide und chronisch Erkrankte wurden entfernt und oftmals sich selbst überlassen. Jedoch zeigt sich hier dass die Ärzte im Rahmen der erweiterten Pflege- und Heilhandlungen Hilfe benötigten da sie die Vielzahl der Erkrankten nicht alleine versorgen konnten. Erstmals wurde hier schriftlich erwähnt dass speziell ausgebildetes Personal, überwiegend männliche Sklaven, die Ärzte in ihrer Tätigkeit unterstützten.42

Nach der Ermordung von Jesus von Nazareth bildeten sich erste christliche Gemeinden. Es sollte aber bis zum Jahre 311 n. Chr. dauern bis sie von der römischen Macht toleriert, und bis zum Jahre 391 n. Chr. bis der christliche Glaube zur römischen Staatsreligion wurde. Der christliche Glaube brachte neue Ansätze in Denkweise und die Pflege erkrankter Menschen. Caritas, die christliche Nächstenliebe, und das Gebot zur Barmherzigkeit sowie die Fürsorgepflicht gegenüber Kranken und Hilflosen wurden zur Grundhaltung, aus der sich heraus etwa 300 n. Chr. das Diakonat43 als Bestandteil der Kirche bildete. Die charakterliche Vorraussetzung Diakon zu werden wird in der Bibel als geachtet, ehrlich und glaubwürdig beschrieben.44 Andere Bibelstellen werden als deren Auftrag interpretiert, wie das Teilen von Essen und Kleidung mit den Armen und die Vergeltung dafür,45 und Barmherzigkeit.46 Aber ihre Hauptaufgaben bestanden in der Taufe und Salbung von Bekehrten, erst an zweiter Stelle kümmerten sie sich um Kranke und Hilfsbedürftige47.

Bemerkenswert war dass sie nicht nur Glaubensgenossen pflegten sondern auch Menschen in Not, die keine Christen waren. Selbst Menschen mit ansteckenden Krankheiten wurden von ihnen –im Gegensatz zu den Nichtchristen- auf gleicher Weise gepflegt.48

Im Rahmen dieser Bewegung wurden, unter den Leitungen der Bischöfe die ersten Vorläufer der Krankenhäuser bzw. Hospitäler49 gegründet, die in erster Linie Arme, daher aber auch viele Kranke beherbergte und wo die Kranken gepflegt wurden.

Das christliche Hospitalwesen verbreitete sich rasch und auch christliche Könige folgten deren Beispiel.50 Jedoch sind die Texte aus dieser Zeit sehr legendenhaft verfasst, so dass die negativen Aspekte und auch Texte zur Ausbildung der Diakonen verschwiegen, und die Positiven teilweise übertrieben hervorgehoben wurden. Was erwiesen werden konnte ist, dass aus dieser Bewegung das spätere Mönchstum und die Klöster entstanden sind, womit das Mittelalter seinen Anfang fand.51

 

4.3. Das Mittelalter

Das wahrscheinlich erste Kloster mit Hospital in Europa wurde 529 n. Chr. von Benedikt von Nursia auf den Hügeln von Monte Cassino erbaut. Es bot jedem kranken Pilger die Möglichkeit dort unterzukommen. Die Mönche sahen sich allerdings oft nicht in der Lage mit den Krankheiten fertig zu werden und begannen Rezepte zu sammeln und Laienärzte hinzuzuziehen und anfangs bestand die „Heilung“ durch Buße, Gebete und der Anrufung aller Heiligen um die Seele des Erkrankten zu retten,52 worin sich noch ansatzweise die magisch-religiöse Einstellung der Antike widerspiegelte.53 Die Gründungen viele Klöster dieser Art folgten.

Kennzeichnend für das Mittelalter war auch der Zerfall des römischen Reiches, das Ende der Völkerwanderungen mit der Neuordnung in christliche Feudalstaaten sowie dem Einsetzen eines Massenelends im Gebiet des heutigen Europas.54

Ab etwa 800 n. Chr. setzte sich unter Karl dem Großen die Form der Klöster in Verbindung mit Hospitälern, in der Funktion sozial-caritativer Einrichtungen, ganz durch, was durch das Aachener Konzil von 817 n. Chr. weiter bestärkt wurde. Bis etwa 1200 n. Chr. waren die benediktinischen Klöster die einzigen dieser Art.55

 

4.3.1. Medizin, Pflege und Anleitung im Mittelalter

Die medizinische Versorgung in den Klöstern beschränkte sich auf ein sporadisches Hinzuziehen eines Arztes in Beratungsfunktion. Die pflegerischen Interventionen, die die Mönche an den Erkrankten vollzogen, waren eher auf die Grundidee der Diätetik aufgebaut. Medizinische Interventionen beschränkten sich zumeist auf empirische und volksmedizinische Elemente, die eher eine alltagspraktische Begleitung im Sinne der Diätetik als eine medizinische Therapie darstellte. Diese Epoche endete etwa um die Zeit, als Hildegard von Bingen (1098-1179 n. Chr.) tätig war. Die Kirche hatte also einen Status als Repräsentant der medizinisch-pflegerischen Wissenschaft eingenommen, den sie mit der Schaffung medizinischer Zentren weiter ausbaute. Die wenigen zur Verfügung stehenden, griechischen Quellen wurden ins Lateinische übersetzt, die Quellenauswahl orientierte sich dabei an praktischen Belangen.56

In der Zeit um die Jahrtausendwende entstanden die ersten eigenen medizinischen Ansätze in Süditalien. Die Kirche unterhielt Kontakte zum Orient, besonders zu Byzanz, und medizinische Texte von dort wurden ins Latein übersetzt. So hielt das byzantinische Wissen in Italien, und damit im Abendland Einzug, und wurde zusammen mit dem altgriechischem Wissen in der Medizinschule von Salermo, der ersten medizinischen Fakultät des Mittelalters, unterrichtet. Seit dem Ende des 12. Jahrhunderts nannten sich die in Salerno ausgebildeten Ärzte nicht mehr wie bisher medicus, sondern physicus, woraus sich später die englische Bezeichnung physicians ableitete.57

Auch Friedrich II von Hohenstaufen (1198-1250 n. Chr.) trieb die Wissenschaft voran indem er in seinem Palast in Palermo viele Gelehrte um sich versammelte, wichtige Texte übersetzen ließ und das Wissen des Abend- und Morgenlandes zusammentrug und kombinierte. Aber auch in anderen Kathedral- und Klosterschulen in Europa hatte sich eine neue Art von Bildung entwickelt, deren Struktur bis heute erhalten blieb: Die Universitäten.58

Das Edikt von Clermont sorgte 1130 n. Chr. für einen weiteren Umschwung in der Bildung, denn die Mönche wurden aufgefordert sich mehr auf ihre geistliche Bestimmung zu konzentrieren und untersagte die praktische medizinische Tätigkeit. Diese widmeten sich nun wieder mehr der barmherzigen Pflegetätigkeit. Das Monopol der Bildung lag nun in den Händen der Universitäten. Parallel dazu entwickelten sich weitere Ordensbewegungen, die sich primär der Krankenfürsorge und -pflege widmeten.59

Ende des 11. Jahrhunderts begannen die Kreuzzüge, die bis Ende des 13. Jahrhunderts andauern sollten. Aus einem Mönchsorden, den „Brüder des Hospitals vom heiligen Johannes“, die in Jerusalem, damals noch Hauptstadt eines fränkischen Königreiches, tätig waren, gingen die Johanniter hervor. Ihre Aufgabe war die Betreuung der Kranken, meist Pilger, und deren pflegerisch orientierten Statuten wurden für weitere Pflegeorden Vorbild. Obwohl es im 13. Jahrhundert über 4000 Ordensniederlassungen gab ist wenig bekannt über ihre Hospitäler und pflegerische Arbeit und somit auch über die pflegerische Wissensweitergabe. Was bekannt ist, ist dass für sie die Kranken für sie die „Herren“ waren, die sie sogar vor den Rittern bevorzugt behandelten. Nach 1291 n. Chr. ließen sie sich auf der Insel Rhodos nieder, 1530 n. Chr. dann in Malta.60

Eine weitere Art von Orden entwickelte sich, die so genannten weltlichen Orden. Obwohl sie zumeist Gelübde ablegten waren sie dennoch kein kirchlicher Orden, eher eine Pflegegemeinschaft die nach den Regeln des Ordens lebten mit dem primärem Ziel karitativ tätig zu sein. Einer von ihnen waren die „Brüder vom Orden des heiligen Geistes“, der Ende des 12. Jahrhunderts in Montpellier gegründet. 1198 n. Chr. wurde ihnen vom Papst Innocenz III. das groß angelegte Hospital bei der Vatikan-Basilika anvertraut. Von dort aus verbreiteten sich Heilig-Geist-Hospitäler in ganz Europa. Aber auch weitere Pflegeorden entstanden zu dieser Zeit, unter anderen die „Antoniusbrüder“, die sich den an Ergotismus61 Erkrankten und Hautleidenden widmete, der „Dritte Orden“ unter Franz von Assisi, der sich der Krankenpflege widmete sowie die „Begimen“, deren Schwerpunkt auf der häuslichen Pflege, aber auch auf der Leichenbesorgung und Mädchenunterrichtung lag.62

Es bildete sich mit der Zeit ein neues, gesundheitspolitisches System heraus. Die Trennung von der universitären Medizin und geistlichen Krankenversorgung wurde immer deutlicher. Ärzte („Stadtphysikus“ und „Wundarzt“) waren weiterhin viele Jahrhunderte keine Angestellten der Hospitäler sondern wurden nach wie vor nur im Bedarfsfall hinzugezogen. Die Leitung der Hospitäler lag meistens in der Hand eines oder einer Stadtangestellten („SpitalmeisterIn“), deren Zusammenarbeit durch die aufkommenden Kriege, Seuchen und Hungersnöten im Spätmittelalter geeint wurden.63

Die Städte wuchsen immer weiter an und sahen sich immer mehr mit dem Problem der öffentlichen Hygiene konfrontiert. Lepra und die Pest, deren schlimmste Heimsuchung in Europa 1347-1350 n. Chr. war, breiteten sich vorwiegend im Mittelmeerraum aus. Lepra-64 und Pestkrankenhäuser entstanden. Gerade die Pest trat im Laufe der Jahre immer wieder periodisch auf. Erst im Laufe der Jahre konnte sie, letztendlich mit Quarantänemaßnahmen65 unter Kontrolle gebracht werden.

Die Pflegemaßnahmen orientierten sich im Mittelalter nach wie vor an den diätetischen Richtlinien aber auch hier ist nur wenig über die Ausbildung und Anleitung in der Pflege bekannt außer dass sie sich jeweils an den Statuten der Orden orientierten. Wahrscheinlich ist, dass diese weiterhin auf Empirie beruhte und Informationen sowohl mündlich als auch schriftlich weitergegeben wurden. Die praktische Ausbildung beruhte nach wie vor auf der Tradition des Mitlernens, also dem „Abschauen“ und „Erklärenlassen“ von erfahrenen Ordensbrüdern und –schwestern. Prägnant an der Zeit des Mittelalters ist, dass der pflegerische Dienst der Ordensmitglieder mit dem „Dienens um des himmlischen Lohnes Willen“ entgolten wurde, was bis heute zusammen mit der Abspaltung der Medizin als „höherrangige“ Profession ein Grundproblem der Pflegeberufe geblieben ist.66

 

 

5. Die moderne Gesellschaft

Die moderne Gesellschaft kennzeichnet sich aus durch ein sehr hohes Maß an funktionaler Arbeitsdifferenzierung, insbesondere in den Bereichen „Politik, Wirtschaft, wissenschaftliche Forschung und familiären Intimbereich“,67 wodurch mehr Abstraktionsmöglichkeiten gegeben sind.68 Diese Funktionen, die bisher von der Gesellschaft erledigt wurden, sind jetzt auf Organisationen verlagert da sich diese auf die einzelnen Leistungen spezialisiert haben.69 Dadurch kann die Beziehung zur Umwelt technisch-industriell umstrukturiert, und ein hohes Maß an Unabhängigkeit erreicht werden. Die Beziehung zur Umwelt entwickelt eine Eigendynamik die die historische Entwicklung beschleunigt, und man hat unzählige Möglichkeiten des Handelns und Erlebens.70 Das Helfen wird komplett institutionalisiert. Helfen tun Institutionen die sich auf das Helfen spezialisiert haben. Dadurch kann Hilfe zwar zuverlässig, professionell und sicher erwartet, muss aber entlohnt, und spezifische, komplexere Hilfe möglicherweise von zwei oder mehr Institutionen erbracht werden, da sie möglicherweise nur teilweise im angebotenem Leistungskatalog vorhanden sind. Dies setzt wiederum entsprechend viel und gut geschultes und motiviertes Personal, geeignete Kommunikationswege sowie entsprechende Programme voraus, die als Leistungen angeboten werden. Das bedeutet dass nun zweimal über Hilfe entschieden werden muss. Zum einen muss über das Programm selbst, zum anderen über den Einzelfall in der Ausführung des Programms entschieden werden. Die erwartete Hilfsleistung kann also entweder im Rahmen des Programms oder im Rahmen der Auslegung des Programms geschehen. Alles was in diesem Rahmen „programmierbar“ und organisierbar ist kann erbracht werden, alles was darüber hinaus geht nicht. Die Hilfsanfrage bestimmt also nicht mehr ob man helfen möchte, sondern ob man im Rahmen der Institution helfen kann, und hat nichts mehr mit Wechselseitigkeit und Moral zu tun. Weiter spielt auch die Zeit eine wichtige Rolle: Kann die Hilfserwartung im Rahmen der (Arbeits-)Zeit erfüllt werden? Hilfe erfolgt also nicht mehr beim Anblick von Not sondern auf Anfrage und Erfüllung der Rahmenbedingungen der Institution.71

Helfen, und demnach auch die (Hilfe bei der) Ausbildung und Anleitung erfolgt also nur noch im Rahmen vorgegebener Programme der Schule und der Ausbildungsstätte. Die Entwicklung dorthin versuche ich im nun folgendem Text anhand des Zeitstrahls und geschichtlichen Knotenpunkten weiter darzustellen.

Das 15. Jahrhundert wird oft als Beginn der so genannten Neuzeit gesehen, denn tatsächlich war es eine Zeit des Umschwungs und Neubeginns, einer „Re-Naissance“72, einer Wiedergeburt im Sinne einer Wiederbelebung der Menschen aus der dunklen Zeit des Mittelalters. Tatsächlich wurden sowohl kulturell als auch wissenschaftlich Fundamente gelegt die bis in die heutige Zeit Beständigkeit haben. Der Wandel in der Medizin erfolgte allerdings erst ein Jahrhundert später.73

 

5.1 Medizin, Pflege und Anleitung im 15. bis 17. Jahrhundert

Diese Zeitepoche wurde durch viele gesellschaftliche und medizinische Neuerungen gekennzeichnet. Es wurde herausgefunden dass die Erde sich um die Sonne dreht, Amerika wurde entdeckt, der Buchdruck erfunden,74 durch Sezieren von Leichen die Anatomie des Menschen besser verstanden und Krankheiten und ihre Symptome wurden genau beschrieben, neue Krankheiten entdeckt, die Beobachtung in der Medizin erhielt einen höheren Stellenwert, die Medizin wurde um den Aspekt Epidemiologie erweitert und teilte sich in zwei Auffassungsparteien. Zum einen die Anhänger der hippokratischen Medizin, zum anderen die Anhänger der arabischen Medizin.75 Auch in der Chirurgie und Wundbehandlung gab es gravierende Verbesserungen und Neuerungen.76 Im 17. Jahrhundert kam es zur Entdeckung des Blutkreislaufes und weiteren anatomischen Erforschungen, durch die Erfindung Mikroskops wurden Kapillare, Muskelaufbau und Bakterien entdeckt und der Grundstein der Bluttransfusion wurde gelegt,77 aber auch Hunger, Kriege und eine neue Pestwelle sowie andere Epidemien wie die Syphilis gehörten zum Alltag dieser Zeitepoche, die hunderttausenden von Menschen das Leben in Europa kosteten.78

Auch im medizinisch-pflegerischem Bereich gibt es Neuerungen. Durch die kirchliche Reformation Anfang des 16. Jahrhunderts und das religiöse Umdenken leerten sich die katholischen Krankenhäuser in reformierten Gegenden und Ländern und wurden zum Teil in „Irrenhäuser“ oder Gefängnisse umfunktioniert. In katholisch gebliebenen Gegenden wurde die karitative Arbeit der Kirche fortgesetzt und neue Pflegeorden gegründet, wie der „Orden der barmherzigen Brüder“.79 In evangelisch reformierten Gegenden wiederum entstanden in den Krankenhäusern neue Organisationsformen: Bürgerliche Krankenhäuser und der Beruf der „Wärter“ und „Wärterinnen“ entstand, die für ihre Arbeit Lohn erhielten, allerdings in Form von Unterkunft und Naturalien. Später erst wird die Arbeit mit Geld entlohnt. Zum Teil kamen diese Wärter aus alten Baderfamilien und brachten eine gewisse Professionalität mit, zum Teil kamen diese aber auch aus den untersten Schichten und viele von ihnen konnten weder lesen noch schreiben, waren faul, unehrlich und unzuverlässig.80 Im 17. Jahrhundert kam es neben den kirchlichen, zu einer ersten, kleinen Organisationsform, der „Association de la Charité“,81 einer kleinen, vorerst gemeinderegionalen Vereinigung die pflegerische Aufgaben übernahm und aus der später in Paris die „Dames de la Charité“82 entstand. Die Frauen, die sich dieser Organisation anschlossen, unterlagen zwar strengen, an der Kirche angelehnten Regeln, mussten aber kein übliches Gelübde ablegen.83 Sie wurden organisiert und, auch fachlich, unterrichtet. Die praktische Ausbildung geschah per Mitlernen durch die bereits länger tätigen Schwestern. Nach vielen Jahren Erprobung und Ausreifung der Struktur wurde die Organisation sogar vom Papst anerkannt. Mitte des 17. Jahrhunderts wurde daraus der „Orden der barmherzigen Schwestern“ gegründet, auch „Orden der Vinzentinerinnen“ genannt, bezeichnet nach dem Gründungsvater Vinzenz von Paul. Dieser Orden breitete sich rasch aus, selbst in Polen und Kanada wurden die Schwestern ansässig.84

Die Veränderungen im Verwaltungsbereich, die ihre Anfänge im späten Mittelalter begannen, setzten sich weiter durch. Viele reiche Bürger erkauften sich ihre Pflege in Hospitälern, viele davon wurden durch Vererbungen und Schenkungen unterhalten, Stiftungen entstanden, die unter der Leitung von Stadträten oder –angestellten geführt wurden. Die Kirche verlor ihre Macht in diesem Bereich.85 Für die ärmere Bevölkerung waren weniger die Ärzte zuständig. Für die Gesunderhaltung der ärmeren Schichten waren die Bader, die Scherer, die Wundärzte, die Hebammen und die Apotheker zuständig. Diese vielfältigen Gesundheitsberufe wurden erstmals Anfang des 16 Jahrhunderts durch so genannte Medizinalordnungen geordnet. In Überlingen (Bodensee) und Straßburg wurden sie in drei Teile gegliedert: „Des Doktors Ordnung, „Des Apothekerknechts Ordnung“ und „Der Frowen Ordnung“, wobei mit Frauen nicht nur die Pflege gemeint ist, denn die pflegenden Schwestern und Brüder unterlagen den Regeln ihres Ordens wobei der Spitalarzt, die Spitalfrauen und Apotheker weiterhin Stadtangestellte waren und den Regeln dieses Ordnungssystems folgten. Die Ärzte, auch die Spitalärzte waren nach wie vor keine fest Angestellten der Hospitäler sondern wurden bei Bedarf hinzugezogen und ihre Anordnungen basierten auf den Beobachtungen des Pflegepersonals. Das Ziel von Vincenz von Paul, der Ausbildung des Pflegepersonals, wurde immer mehr Forderung der Ärzte. So erschien 1574 die älteste deutsche Abhandlung über Krankenpflege, der „Gründlicher Bericht Lehr und Instruction vom rechtem und nutzlichem brauch der Arzney, den Gesunden, Krancken und Kranckenpflegern“,86 aber eine einheitliche Regelung gab es noch lange nicht, genauso wenig wie eine flächendeckende soziale und medizinische Versorgung der Bevölkerung. Die Hospitäler waren weiterhin sowohl für Kranke als auch für Arme und Obdachlose zuständig, was sich erst langsam im 17. Jahrhundert, am Vorbild von Paris,87 änderte, indem neben dem Hospital das allgemeine Hospital eingeführt wurde, welches fortan für chronisch Erkrankte, Bettler, Pfründner, Vagabunden und Kriminelle zuständig war.

 

7. Anhang

7.1 Trial and error

Versuch und Irrtum (englisch trial and error) ist eine heuristische Methode, um Probleme zu lösen, bei der so lange zulässige Lösungsmöglichkeiten probiert werden, bis die gewünschte Lösung gefunden wird. Dabei wird oft bewusst auch die Möglichkeit von Fehlschlägen in Kauf genommen.

Durch Antrieb/Motivation wird ein Mensch oder Tier sensibel für Hinweisreize, um sich die als angenehm eingestufte Entspannung zu verschaffen. Um zu dieser Entspannung, also zu diesem Ziel zu gelangen, werden vom Subjekt mehrere Wege ausprobiert (Versuch). Negative „Wege zum Ziel“ werden nach Edward Lee Thorndike als Irrtum (error) bezeichnet; im positiven Falle wird das Erreichen des Zieles als Wirkung (effect) bezeichnet.

Robert Yerkes experimentierte mit Regenwürmern, die er durch einen wie ein T geformten Gang vom Fußpunkt aus zu dem Querbalken kriechen ließ. Bei einer Wendung nach links musste der Regenwurm zunächst über Sandpapier kriechen und erhielt anschließend einen leichten elektrischen Schlag, bei der Wendung nach rechts konnte der Wurm das Ziel ohne ihn behindernde Schwierigkeiten erreichen. Anfangs wandten sich die Würmer in gleicher Häufigkeit nach rechts oder links. Nach zwanzig bis hundert Experimenten hatte der Wurm gelernt, dass er an der Gabelung nach rechts kriechen muss, um die andernfalls auf ihn wartenden Schwierigkeiten zu vermeiden. Auf diesen Versuchen bauten andere Wissenschaftler auf, die einem dressierten Tier den Kopf mit dem Gehirn abschnitten. Als dem Tier ein neuer Kopf mit einem neuen Gehirn gewachsen war, war das durch die Dressur gelernte Erfahrungswissen wieder vorhanden. So wurde nachgewiesen, dass die Lernfähigkeit eines Regenwurms nicht in seinem Gehirn verankert ist.

Thorndike konnte auch nachweisen, dass Versuch und Irrtum bei Katzen ein wesentlicher Bestandteil des Lernprozesses ist.

In der Informatik finden sich viele algorithmische Verfahren, die auf dem Versuch-und-Irrtum-Ansatz beruhen. Dazu gehören klassische Backtracking-Algorithmen, die rekursiv eine Menge von möglichen Lösungen durchsuchen, bis eine richtige Lösung gefunden wird.

Viele Optimierungsverfahren iterieren nach dem Grundsatz Versuch und Irrtum.“88


 

  1. Die griechische Säftelehre (Abb. 1)89

7.3. Der Vergleich der Diätetik mit den ATLs90

Regelung der Grundbedürfnisse des Menschen (Diätetik) als Vorraussetzung der Krankenbehandlung nach Galen, 2. Jahrhundert n. Chr.

Unterstützung und Übernahme der Aktivitäten des täglichen Lebens (ATL) nach Juchli 1994

  • somnus et vigilia (Schlafen und Wachen)

  • motus et quies (Bewegung und Ruhe)

  • cibus et potus (Essen und Trinken)

  • secreta et excreta (Ausscheidungen)

  • aer (Licht, Luft, Atem)

  • affectus animi (Gemütsbewegung)

  • Wachsein und schlafen

  • Sich bewegen

  • Sich waschen und kleiden

  • Essen und Trinken

  • Ausscheiden

  • Körpertemperatur regeln

  • Atem

  • Raum und Zeit gestalten

  • Kommunizieren

  • Kind/Frau/Mann sein

  • Sinn finden


 

7.4. Timotheus 3; 8-13: Wer Diakon werden kann

 8 Auch die Diakone in der Gemeinde sollen geachtete Leute sein, ehrlich und glaubwürdig in ihrem Reden; sie sollen nicht zu viel Wein trinken und sich nicht auf Kosten anderer bereichern. 9 Denn das Geheimnis, das ihnen mit dem Glauben anvertraut wurde, können sie nur in einem reinen Gewissen bewahren. 10 Auch die Diakone müssen sich zuerst bewähren. Nur wenn an ihnen nichts auszusetzen ist, darf man sie zum Dienst zulassen. 11 Ebenso sollen die Diakoninnenvorbildlich leben, keine Klatschmäuler sein, sondern besonnen und in allen Dingen zuverlässig. 12 Auch Diakone sollen nur mit einer Frau verheiratet sein und müssen ein vorbildliches Familienleben führen. 13 Wer sich aber in seinem Dienst als Diakon bewährt, den wird die Gemeinde achten, und er selbst wird die Zuversicht und Freude ausstrahlen, wie sie der Glaube an Jesus Christus schenkt.91

7.5. Matthaeus 25, 35-36, 40: Das Weltgericht

 31 Wenn der Menschensohn in seiner ganzen Herrlichkeit, begleitet von allen Engeln, kommt, dann wird er auf dem Thron Gottes sitzen. 32 Alle Völker werden vor ihm erscheinen, und er wird die Menschen in zwei Gruppen teilen, so wie ein Hirte die Schafe von den Böcken trennt. 33 Rechts werden die Schafe und links die Böcke stehen. 34 Dann wird der König zu denen an seiner rechten Seite sagen: ›Kommt her! Euch hat mein Vater gesegnet. Nehmt die neue Welt Gottes in Besitz, die er seit Erschaffung der Welt für euch als Erbe bereithält! 35 Denn als ich hungrig war, habt ihr mir zu essen gegeben. Als ich Durst hatte, bekam ich von euch etwas zu trinken. Ich war ein Fremder bei euch, und ihr habt mich aufgenommen. 36 Ich war nackt, ihr habt mir Kleidung gegeben. Ich war krank, und ihr habt mich besucht. Ich war im Gefängnis, und ihr seid zu mir gekommen.‹

40 Der König wird ihnen dann antworten: ›Das will ich euch sagen. Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr für mich getan!‹ 92

7.6. Lukas 10; 35-37: Der barmherzige Samariter

30 Jesus antwortete ihm mit einer Geschichte: »Ein Mann wanderte von Jerusalem nach Jericho. Unterwegs wurde er von Räubern überfallen. Sie schlugen ihn zusammen, raubten ihn aus und ließen ihn halb tot liegen. Dann machten sie sich davon.

 31 Zufällig kam bald darauf ein Priester vorbei. Er sah den Mann liegen und ging schnell auf der anderen Straßenseite weiter. 32 Genauso verhielt sich ein Tempeldiener. Er sah zwar den verletzten Mann, aber er blieb nicht stehen, sondern machte einen großen Bogen um ihn. 33 Dann kam einer der verachteten Samariter vorbei. Als er den Verletzten sah, hatte er Mitleid mit ihm. 34 Er beugte sich zu ihm hinunter, behandelte seine Wunden mit Öl und Wein und verband sie. Dann hob er ihn auf sein Reittier und brachte ihn in den nächsten Gasthof, wo er den Kranken besser pflegen und versorgen konnte.

 35 Als er am nächsten Tag weiterreisen musste, gab er dem Wirt zwei Silberstücke und bat ihn: ›Pflege den Mann gesund! Sollte das Geld nicht reichen, werde ich dir den Rest auf meiner Rückreise bezahlen!‹

 36 Was meinst du?«, fragte Jesus jetzt den Schriftgelehrten. »Welcher von den dreien hat an dem Überfallenen als Mitmensch gehandelt?« 37 Der Schriftgelehrte erwiderte: »Natürlich der Mann, der ihm geholfen hat.« »Dann geh und folge seinem Beispiel!«, forderte Jesus ihn auf.93


8. Quellenangaben

8.1.Literaturquellen

Bischoff, Claudia; Botschafter, Petra (1993): Neue Wege in der Lehrerausbildung für Pflegeberufe; Melsungen (Bibliomed)

Brenner, Renate (1994): Krankenpflegeausbildung. Berufsausbildung im Abseits; Frankfurt am Main (Mabuse)

Kruse, Anna Paula (1987): Krankenpflege. Berufskunde II: Die Krankenpflegeausbildung seit Mitte des 19. Jahrhunderts; Stuttgart; Berlin; Köln; Mainz (Kohlhammer)

Löser, Ingeborg (1995): Pflege studieren. Der Akademisierungsprozess in den Pflegeberufen am Beispiel hessischer Pflegestudiengänge; Frankfurt am Main (Mabuse)

Luhmann, Niklas (2005): Soziologische Aufklärung 2. Aufsätze zur Theorie der Gesellschaft; Wiesbaden (VS)

Möller, Ute; Hesselbarth, Ulrike (1998): Die geschichtliche Entwicklung der Krankenpflege. Hintergründe, Analysen, Perspektiven; Hagen (Brigitte Kunz)

Panke-Kochinke, Birgit (2003): Die Geschichte der Krankenpflege. Ein Quellenbuch; Frankfurt am Main (Mabuse)

Panke-Kochinke, Birgit (2000): Fachdidaktik der Berufskunde Pflege; Bern (2000)

Seidler, Eduard; Leven, Karl-Heinz (2003): Geschichte der Medizin und der Krankenpflege; Stuttgart (Kohlhammer)


8.2. Internetquellen

http://www.biblegateway.com/passage/?book_id=47&chapter=25&version=33#de-HOF-62790 (Stand September 2008)

 

http://www.biblegateway.com/passage/?book_id=49&chapter=10&version=33#de-HOF-64121 (Stand September 2008)

 

http://www.biblegateway.com/passage/?book_id=61&chapter=3&version=33#de-HOF-68441 (Stand September 2008)

 

http://google.de (Stand September 2008)

 

http://www.google.de/search?hl=de&rlz=1B3GGGL_deDE259&q=Definition+Anleitung&btnG=Suche&meta= (Stand September 2008)

 

http://www.pflegewiki.de/wiki/Pflege (Stand September 2008)

 

http://de.wikipedia.org/wiki/Krankenpflege#Deutschland (Stand September 2008)

 

http://de.wikipedia.org/wiki/Mittelalter (Stand September 2008)

 

http://de.wikipedia.org/wiki/Pflege (Stand September 2008)

 

http://de.wikipedia.org/wiki/Schamanismus (Stand September 2008)

 

http://de.wikipedia.org/wiki/Versuch_und_Irrtum (Stand September 2008)

 


9. Eidesstattliche Erklärung


 

Hiermit versichere ich, dass ich die von mir vorgelegte Arbeit selbständig verfasst habe und keine anderen als die von mir genannten Quellen verwendet habe


 


 


 

Köln, 17. September 2008 Jörn Werner

1 vgl. Panke-Kochinke 2000, S.258

2 vgl. Seidler 2003, S.13

3 vgl. Panke-Kochinke 2000, S.20f

4 Pandel, Geschichte und politische Bildung in: Panke-Kochinke 2007, S.21f

5 Die Begriffe „archaische“, „hochkultivierte“ und „moderne Gesellschaft“ wurden dem Text „Formen des Helfens im Wandel gesellschaftlicher Bedingungen“ entnommen an dem sich der Zeitstrahl dieser Arbeit orientiert: Vgl. Luhmann 2005

6 http://de.wikipedia.org/wiki/Pflege

7 De Gruyter 2007, S.256

8 De Gruyter 2007, S.568

9 http://www.pflegewiki.de/wiki/Pflege

10 vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Krankenpflege#Deutschland

11 http://google.de

12 vgl. http://www.google.de/search?hl=de&rlz=1B3GGGL_deDE259&q=Definition+Anleitung&btnG=Suche&meta=

13 vgl. De Gruyter 2007, S.32

14 vgl. Luhmann 2005, S.167ff

15 Siehe Anhang 7.1.

17 vgl. Seidler 2003, S.20ff und http://de.wikipedia.org/wiki/Schamanismus

18 vgl. Seidler 2003, S.19

19 vgl. Möller 1998, S.8f

20 vgl. Seidler 2003, S.18ff

21 vgl. Möller 1998, S.9

22 vgl. Seidler 2003, S.22

23 vgl. Möller 1998, S.9

24 vgl. Seidler 2003, S.26

25 ebd. S.27

26 vgl. Möller 1998, S.10

27 ebd. S.10f

28 Seidler 2003, S.31

29 ebd. S. 31

30 vgl. ebd. S. 31

31 Erkrankungen wurden von Verstorbenen verursacht

32 Erkrankungen entstanden durch Angriffe von Dämonen

33 vgl. Seidler 2003, S.

34 Die Epen „Odysee“ und „Ilias“ von Homer

35 vgl. Seidler 2003, S. 38ff

36 ebd. S. 42f

37 Siehe Abb. 1 im Anhang 7.2.

38 vgl. Seidler 2003, S. 50f

39 Siehe Anhang 7.3.

40 vgl. Seidler 2003, S. 51

41 vgl. ebd. S. 50

42 vgl. ebd. S. 71f

43 diakonein, griech. = schlichtes Dienen; Diakonia, griech. = Dienstleistung

44 Siehe Anhang 7.4.

45 Siehe Anhang 7.5.

46 Siehe Anhang 7.6.

47 vgl. Möller 1998, S. 17

48 vgl. Seidel 2003, S.76

49 hospitale, lat. = das Gastliche (Haus); hospes, lat. = der (fremde) Gast

50 Etwa 540 n. Chr. entstand unter König Childebert in Lyon das Hospital Hôtel Dieu in Lyon, das heute noch existiert und somit das wahrscheinlich älteste Hospital dieser Tradition ist.

51 vgl. Seidler 2003, S. 78ff

52 vgl. Möller 1998, S. 19ff

53 vgl. ebd. S. 17

54 vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Mittelalter und Möller 1998, S. 19ff

55 vgl. Seidel 2003, S. 90

56 vgl. ebd. S. 92ff

57 vgl. Ebd. S. 109f

58 vgl. ebd. S. 114

59 vgl. ebd. S. 114f

60 Daher stammt auch der Begriff “Malteser”

61 Eine Massenvergiftung durch einen Pilz der Roggenähren befiel, daher auch die volksmündige Bezeichnung „Antoniusfeuer“ für diese Krankheit

62 vgl. Seidler 2003, S. 118f

63 vgl. ebd. S. 119ff

64 So genannte Leprosorien

65 Quarantäne war abgeleitet vom französischem Wort quarante = 40; 40 Tage dauerte die erste erfolgreiche Quarantäne in Marseille

66 vgl. Möller 1998, S. 22f

67 Luhmann 2005, S. 170

68 vgl. ebd. S. 170

69 vgl. ebd. S. 176

70 vgl. ebd. S. 170

71 vgl. Luhmann 2005, S. 176ff

72 naissance, frz.=Geburt

73 vgl. Seidler 2003, S. 133

74 vgl. ebd. S. 134

75 vgl. Möller 1998, S. 47

76 vgl. Seidler 2003, S. 140f

77 vgl. Möller 1998, S. 49f

78 vgl. Seidler 2003, S.59f

79 Der Gründer, Juan de Dios (1495-1550), wurde im 17. Jhd. heilig gesprochen und gilt als Schutzpatron der Krankenhäuser, der Kranken und des Pflegepersonals (vgl. Seidler 2003, S. 146)

80 vgl. Möller 1998, S. 49

81 frz.=„Organisation der Barmherzigkeit“

82 frz.=„Töchter der Barmherzigkeit“

83 „Als Kloster dient ihnen die Behausung der Armen, als Zelle ein Mietszimmer, als Kapelle die Pfarrkirche, als Kreuzgang die Straße und die Säle der Hospitäler, als Klausur der Gehorsam, als Habit die Furcht Gottes und als Schleier die Bescheidenheit.“ (Vinzenz von Paul, Seidler 2003, S. 148)

84 vgl. Möller 1998, S 51f

85 vgl. Seidler 2003, S. 150

86 Ein dreibändiges Lehrbuch, welches in Dillingen vom Arzt Jacob Oetheus herausgegeben wurde und eine Abhandlung über häusliche und stationäre Pflege angelehnt an der diätetischen Tradition darstellt (vgl. Seidler 2003, S. 152).

87 Ludwig XV erließ 1556 ein Edikt indem er in Paris neben dem für Erkrankte zuständige Hospital die Gründung eines Hôpital générale, frz.=allgemeines Hospital, forderte (vgl. Seidler 2003, S. 153)

88 http://de.wikipedia.org/wiki/Versuch_und_Irrtum

89 vgl. Möller 1998, S. 13

90 vgl. Seidler 2003, S. 57 Abb. 14

91 vgl. http://www.biblegateway.com/passage/?book_id=61&chapter=3&version=33#de-HOF-68441

92 vgl. http://www.biblegateway.com/passage/?book_id=47&chapter=25&version=33#de-HOF-62790

93 vgl. http://www.biblegateway.com/passage/?book_id=49&chapter=10&version=33#de-HOF-64121

 

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