Altenheim-Hierarchie – Ein Leitfaden für Außenstehende und Insider

 

(bitte nicht all zu ernst nehmen!!)

Die Heimleitung
Sieht alles, weiß alles... vergisst alles, besonders wenn es um Zusagen gegenüber Mitarbeitern geht. Umgibt sich gern mit der Aura des Allwissenden (daher auch die Bezeichnung “ Lieber Gott des Altenheims”), obwohl er als Kaufmann/-frau (oder Sozailfutzzi oder “Christliche Persönlichkeit”) überhaupt keine Ahnung von Pflege hat. Vielleicht gerade auch deswegen...

Die Pflegedienstleitung
Sieht alles, weiß alles, vergisst nie etwas, besonders wenn “Untergebene” Wiederworte gegeben haben.
Hauptaufgabe: Krisenmanagement! Standart-Gruß: “Wer war das?”
Oberste Fachkraft, meistens Kompetent, was aber niemandem auffällt, da sie es sich nicht leisten kann, schlauer zu sein als die Heimleitung!!!

Der Vorsitzende des Trägers
Sieht nichts, weiß nichts... merkt sich aber alles: Weil er auf Gerüchte und Verräter angewiesen ist.
Kommt nur ins Heim, wenn Feiern anstehen (=> Alkohol), hält dann unvermeidlicherweise eine Rede, in der er so tut, als hätte er den ganzen Etat des Hauses mit seinen eigenen Händen durch Kohlen Schleppen bestritten. Setzt sich anschließend in seinen Dienstwagen (8 Zylinder, 230 PS) und fährt zu seiner Geliebten, um sich seine Belohnung abzuholen.

Die Stationsleitung/Wohnbereichsleitung
Undankbarster Job im Altenheim, für alles Verantwortlich und von keiner Seite Hilfe. Wird beim kleinsten Fehler von der Heimleitung zur Schnecke gemacht; hat was geklappt, war es der Verdienst der/des Allmächtigen (siehe Heimleitung). Sieht es gar nicht ein für fast 1300€ den Helden zu spielen und gibt folgerichtig den Druck nach unten Weiter.

Die stellvertretende Stationsleitung
Wie die Enkel von Willi Brandt: Warten ewig auf ihre Chance und wenn sie da ist, vermurksen sie es. Meistens ein/e Altenpfleger/in der/die ab und zu eine/n auf wichtig machen darf und dafür von Kollegen geschnitten wird.

Examinierte Altenpflegekräfte
Sehen was zu tun ist, wissen was getan werden könnte, entscheiden was getan werden soll, verantworten was tatsächlich getan wird. Prototyp des “Front-Schweins”! Tragen die Hauptlast der Stationsarbeit, weil sie neben ihrer eigenen Arbeit auch noch hinter allem, was unausgebildet arbeitet, her sein müssen und von diesen immer alles zugeschoben bekommen. Haben alle Hände voll zu tun, sich gegen Leute zu wehren, die alles besser wissen. Irgendwann kommen sie auf die bescheuerte Idee, sich für einen Job zu bewerben, der für eine Lohnstufe mehr noch viel schlimmer ist.... Stationsleitung!!!

Pflegehelfer
Befinden sich ständig im Konflikt zwischen “Geht mich nicht´s an” und “Ich bin der Stationsprofi”. Haben die Indianapolis-Position => wenn´s zu eng wird, bin ich als erster weg! Zeigen ihre Inkompetenz dadurch, dass sie sich einbilden mit Kompetenz glücklicher zu sein. Ansonsten unverzichtbar als unterste Stufe der Pflegehierarchie. Die Betroffenen trösten sich mit Intrigen gegen Examinierte.

Zivildienstleistende
Die Stars der Station, da A: männlich (jung, schön & stark, zumindest jung) und B: ober-cool, weil sie keinen Vorgesetzten zu fürchten haben. Machen deswegen was sie wollen und das immer zum Nutzen der Bewohner

Schüler
Geliebt, weil Überstunden abgebaut werden, wenn sie kommen, gefürchtet, weil sie alles besser wissen, sie auch noch meistens recht haben und so echten Stress verbreiten. Niemand will schließlich hören, dass er seit 10 Jahren die Spritzen falsch setzt, hat sich ja auch noch keiner beklagt, oder? Spielen sich oft als Robin-Hood der Bewohner auf und die finden das auch noch gut!

Raumpflegerinnen
Störer des sowieso in der vorgegebenen Zeit nicht schaffbare Pflegeablaufes: Jetzt nicht, da hab ich gerade geputzt oder alternativ: Das geht nicht, da muss ich jetzt durch putzen. Geliebt, weil sie einem so hässliche Arbeiten abnehmen, gefürchtet, weil fast alle eine Verwandte unter den Bewohnern haben und wenn nicht, dann wenigstens eine Vertraute und so jeden Fehler des Pflegepersonals als erste entdecken und einem gleich auf´s Brot schmieren. Alles in allem, Grund genug, um sie an der kurzen Leine zu halten.

Der Hausmeister
uDfA…unterbezahlter Depp für Alles. Zuständig für alle räumlichen Katastrophen, aber auch für all das, wozu die Pflege und die Hauswirtschaft entweder zu dumm oder zu faul sind. In Zimmer 12 am hinterem Bett muss die Birne der Nachttischlampe gewechselt werden oder Der Reifen am Rollstuhl muss aufgepumpt werden. Die Pumpe steht im Stationszimmer hinten links.

Der Betreuungsdienst
Sehen alles, verstehen nichts und erzählen es dann weiter. Alles Doppelagenten, weil sie der Station erzählen, der Träger sei Alkoholiker und würde seine Frau schlagen und dem Träger erzählen, die Bewohner würden schlecht versorgt werden.

 


Beschäftigungstherapeuten
Der natürliche Feind des Altenpflegers. Nicht nur, dass diese Burschen etwas tun, wozu man selbst auch qualifiziert ist, sie machen auch noch so tolle Sachen wie Strick-Papageien oder Reißwolle-Mobiles, die dann überall hängen und die Bewunderung von Heimleitung und PDL finden. Examinierte fühlen sich dann zum Windel-Wechsel-Dienst degradiert. Wenn die BT´s dann auch noch anfangen an der Pflege rumzunörgeln (Oma Krauses Windel war heute wieder nass, stellen sie das ab), weicht die kooperative, ganzheitliche Turbopflege einem alles verschlingendem Blutrausch!!!

Sozialarbeiter
Völlig überflüssige Traumtänzer, der als einziger noch glaubt, es ginge im Heim sozial zu!!!

Supervision
Andere Bezeichnung für bezahlte Langeweile, weil keiner weiß, was Supervision auf deutsch heißt und niemand so dämlich ist, Kritik am Boss vor allen Leuten rauszulassen und sich so ans Messer zu liefern. Und wer denunziert schon öffentlich Kollegen in der Gewissheit, dass man als Folge dann von diesem Kollegen zukünftig absichtlich haufenweise liegen gebliebene Arbeiten aufs Auge gedrückt zu bekommt.
Wird meist von Psychologen abgehalten, die sich selbst dabei blöd vorkommen.

Der Arzt
Kleinkarierte Type, unfreundlich und in Eile, will grundsätzlich nichts rezeptiveren. Redet selbstgefällig in übertriebener Fachsprache, um zu zeigen, dass die Schwester für ihn nur der geduldete Blödi ist. Aber wenn er ledig wäre und sie sich anbaggern ließe...

Bewohner
In der komplizierten Welt des Personals absolut störend. Alles würde wunderbar funktionieren, wenn die Bewohner nicht dauernd irgendein Problem hätten, denn Probleme gibt es auch ohne Bewohner schon genug. Meist hilft nur die Flucht ins Stationszimmer!

Verwandte/ Angehörige
DIE PEST!!! Wissen alles besser, weil sie A: ihre Oma so gut kennen (darum hassen sie sich auch) und B: im “geschwollenen Blatt” oder “Frau im Supermarkt” ein Bericht stand. Meistens geht es in Wirklichkeit nur darum, alte Rechnungen zu begleichen oder irgendwie an die Erbschaft zu kommen.

Das Stationszimmer
Trotzburg des Pflegepersonals. Wird mit zwei Magischen Sprüchen verteidigt: 1. Ich bin beschäftigt! (alternativ: Ich telefonier gerade) 2. Wir haben jetzt Übergabe! Optional kann bei beiden Sprüchen der Halbsatz: “Pinkeln sie in ihre Windel, dafür ist sie ja da!” beigefügt werden. Ansonsten beherbergt das Stationszimmer chaotisch in Schränke gequetschte Medikamente, Verbandsmaterial, Katheter, Katheterbeutel und auf viel zu kleinen Schreibtischen und chaotisch in viel zu kleine Schubladen gequetschte Dokumentation, Übergabebuch, die Rapport-Kladde, das Heft für Besonderheiten, das Spezial-Buch für persönliche Botschaften zwischen den Schichten und jede menge Merkzettel! Und nicht zu vergessen der allzu gern zu verändernde Dienstplan, der mit tausenden von Dienstanweisungen „von oben“ an eine Wand gehängt wurde, die mittlerweile mehr an eine Litfaßsäule erinnert und so unübersichtlich ist, dass man hin und wieder Anweisungen findet, die schon seit zwei Jahren keine Gültigkeit mehr haben.

Die Pflege
Tätigkeit zwischen zwei Intrigen.

Die Kaffee-Kasse
Gibt es offiziell gar nicht Wenn es sie gäbe, wär´s bestimmt nicht für Kaffee, denn der wird beim Bewohnerkaffee geschnorrt oder von zusätzlich geschenkten oder zugesteckten Kaffeepäckchen gekocht. Dies geschieht meist in der Hoffnung, „ihren“ Angehörigen besonders gut zu betreuen, was auch geschieht, aber alle Anderen auch…was ist denn auch schon ein Altenpfleger ohne Kaffee??

Dienstzeit
Die Zeit, in der man das beschauliche und ruhige Zuhause verlässt, um mit ein paar Hexen unter Aufsicht eines unfähigen Ekels, Bestien zu hüten. Man hätte weiß Gott Besseres zu tun, aber wir sind ja sooooo sozial und hilfsbereit.

Das Altenheim
Getreues Abbild eines mittelamerikanischen Kleinstaates mit Elementen einer deutschen Endlos-Serie aus dem Fernsehen, nur dichter, rasanter und gefährliche…eben Realität!!!

 

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